Über Jahrhunderte mit besonderer Bedeutung: Die Keller der Bergbräu

aus Ausgabe 20, Juni 2006

Im Arzberger Bilderbuch von 1974 sind die „labyrinthisch, verzweigten Kelleranlagen“ von Dr. Singer besonders hervorgehoben. Die Bewahrung und Sicherung der umfangreichen zweistöckigen Kelleranlagen sind untrennbar mit der Geschichte der Bergbrauerei und der des Kirchbergs verknüpft.

Der älteste gefundene Keller befindet sich unmittelbar unter dem sogenannten „Neuen Haus“ dessen Wiederaufbau auf das Jahr 1664 datiert ist. Die außerordentlich kunstvolle Wölbung deutet darauf hin, dass der Keller wesentlich älter ist und bereits dem Vorgängerbau als Fundament und Lager diente. Die Erweiterung der Keller ist durch einen datierten Türsturz aus Granit von 1819 belegt. Die Vergrößerung der Anlage geht auf die gewaltigen Baumaßnahmen des Georg Müssel zurück, der bis 1826 die Gebäudekubatur mehr als verfünffachte. Die Wölbung der Keller wird über bestehende Schürfen des Bergbaus vermutet und in der Tat sieht man noch die Hiebe der Spitzhaken im eisenhaltigen Stein. Die Keller entlang der Humboldtstraße und Egerstraße sind über 400 m² groß und reichen bis 12 m unter die Erde. Sie dienten in erster Linie der Lagerung von Eis zur Kühlung der Biervorräte. Die längere Haltbarkeit des dort in großen Fässern gelagerten Bieres war entscheidend für den Erfolg der Brauerei. So waren die Keller nicht nur Lager sondern auch Arbeitsplatz: Denn das im Winter geschnittene Natureis wurde zerkleinert und zusammen mit den in Flaschen abgefüllten Bier und kleineren Fässern zu den Schänken und „Flaschenbehandlungen“ verschickt. Der Eisvorrat überdauerte die warme Jahreszeit oft bis in den Herbst hinein.

Aber nicht nur arbeitende Menschen kannten die Bergbrauereikeller von innen. In den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges wurden die Keller als Luftschutzbunker für die nahe gelegenen Schulen ausgebaut. Notbeleuchtung und fluoreszierende Farbanstriche an den Fluchttüren und Verbindungswegen wurden angebracht. Bei regelmäßigen Luftschutzübungen und im Ernstfall waren die Schulkinder und Bürger Arzbergs bis tief in die Kelleranlagen gestiegen und hofften auf einen glücklichen Ausgang. Nach dem 2. Weltkrieg erlebten die Kellergewölbe eine Nutzung als Wohnung für Flüchtlingsfamilien. In der untersten Ebene sind kleine Kunstwerke als Kohlezeichnungen an den Wänden mit Motiven des Riesengebirges bis heute erhalten. Bei den Sanierungsarbeiten mussten riesige Schuttberge entsorgt werden und die Keller wurden abgedichtet. Die alten Verbindungswege zum Nachbaranwesen Menzel und ein alter Aufgang zur Bergbrauerei wurden freigelegt. In Zukunft soll die „Unterwelt“ für geführte Gruppen und die Arzberger Bevölkerung zugänglich sein.

Die vermuteten alten Stollengänge nach Schlottenhof zum Schloss und in die unteren Bezirke der Stadt, sowie in Richtung Kirchenburg konnten nicht gefunden werden. Auch der Silberschatz der in der Überlieferung nach Beschuss der Kirchenburg im 30 jährigen Krieg „im Berg“ verborgen wurde, blieb unendeckt und gibt uns allen weiterhin Anlass zu Geschichten und weiteren Nachforschungen.

Text / Foto: Auszug aus der Festschrift zur Eröffnung der Arzberger Bergbräu

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