Direkt an der alten „Eisnstraous“ liegt die „Schwedenschanze“

aus Ausgabe 91, Juli 2013

Entweder man kommt eher zufällig vorbei oder man weiß nach was man sucht. Direkt an dem Sträßchen zwischen Alt- und Neu-Dürrlas steht in großen Buchstaben „Schwedenschanze“ auf einem Stein. Es handelt sich um einen Turmhügel aus grauer Vorzeit – verfallen, verwachsen und fast vergessen – wovon es mehrere in unserer Heimat gibt.

Der Ortsname „Dürrlas“ könnte von dem 1499 im Landbuch erstmals erwähnten „Turnleins“ herrühren. Vielleicht aber auch wie 1705 „aufm Dürlos“ genannt, vom „zum dürren Fleckchen“. 

Auf einer spornartig ins Tal vorspringenden Terrasse erhob sich hier ein gemauerter Turm umgeben von Wall und Graben. Diese Befestigungsanlage aus frühgeschichtlicher Zeit wurde in der Volksüberlieferung zur „Schwedenschanze“ und „dess Alt gemeuer, der Thurnlaß genandt“ die Thiersheimer 1585 mit Genehmigung der Regierung abbrechen und zur Erhöhung ihres Kirchturms verwenden durften.

Von den Resten der Burg, deren Ursprung im 12. Jahrhundert vermutet wird, ist eine Art „Grundriss“ von 1787 vorhanden ähnlich der oben gezeichneten Grafik, auf dem auch eine unmittelbar daran vorbeiführende „Straße von Arzberg nach Selb“(!) eingezeichnet ist. Diese Straße, die Eisenstraße oder mundartlich „Eisnstraous“, führte von Arzberg kommend an den Steinhäusern vorbei, weiter Richtung Neuenreuth und zweigte dann nach Alt- und Neu-Dürrlas ab. In der Blütezeit der Eisenverhüttung rollten hier die Erztransporte von den Gruben aus Arzberg und Kothigenbibersbach zur Verhüttung ins Egertal auf einer Trasse ohne grobe Höhenunterschiede.

Dürrlas wird in verschiedenen  Dokumenten als „Schlüssel zur Frühgeschichte des östlichen Fichtelgebirges“ bezeichnet. Der Ringwall des Turmhügels hat einen Durchmesser von ca. 40 m, darin östlich ein etwa 30 cm höherer rundlicher Hügel evtl. von einem Bergfried. Im nordwestlichen Grabenteil befindet sich eine steile Bodenerhebung vielleicht von einem Pfeiler einer Grabenbrücke. Mauerwerk ist keines mehr erkennbar, es wurden aber lose Steine mit Mörtelresten gefunden. Der von der Straße anlangende und auch auf der Grafik erkennbare Weg ist allerdings neuzeitlich.

Eine planmäßige, wissenschaftliche Untersuchung der Anlage steht noch aus.

Text: aus Dr. Singer, „An der Hohen Warte“ – Röttger, „Die Kunstdenkmäler von Bayern“

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