Das geheimnisvolle Steinkreuz bei Pechtnersreuth

„Entlang der bayerisch-böhmischen Grenze“

Die Grundform des Fichtelgebirges gleicht bekanntlich einem nach Nordosten offenen Hufeisen. Die Südflanke ist der Naturraum Steinwald mit anschließendem Reichsforst und Kohlwald. Da Naturräume keine politischen Grenzen kennen, liegt das interessante Kohlwaldgebiet auf deutschem und tschechischem Staatsgebiet, in Bayern in den Regierungsbezirken Oberfranken/Oberpfalz. Mitten durch den Kohlwald verläuft auch die Grenze der Landkreise Wunsiedel und Tirschenreuth. Der Kohlwald hat seinen Namen wahrscheinlich von den früher hier betriebenen Kohlenmeilern auf dem Kohlberg, die für die umliegenden Hammerwerke Holzkohle produzierten.

Etwa 1,3 Kilometer südwestlich von Horní Hraničná (Oberkunreuth) bzw. 1,8 Kilometer westlich von Pechtnersreuth (Ortsteil der Stadt Waldsassen) und südlich des Výhledy (Oberkunreuthberg) steht fast genau auf der Staatsgrenze – jedoch schon auf tschechischem Hoheitsgebiet – im Grenzabschnitt III beim Grenzstein 6/13 ein mächtiges Steinkreuz aus Granit. Das massive, gut erhaltene Flurdenkmal mit breitem Querbalken weist keine originalen Zeichen auf. Auf dem Kopfstück wurde später ein 7×8 Zentimeter großes Kreuz eingraviert und mit schwarzer Farbe nachgezogen, vermutlich als Grenzmarke. Auf der nach Südwest weisenden Seite wurde mit gleicher Farbe, jedoch nicht eingerillt, die moderne Aufschrift ČS 40 aufgetragen. 

Der Anlass zur Aufstellung dieses Steinkreuzes ist bisher nicht bekannt. Solche Flurdenkmale wurden immer an wichtigen Straßen aufgestellt, wo viele Menschen vorbeikamen und angehalten waren, ein Gebet zu sprechen. Es könnte sich somit um ein sehr altes Sühnekreuz handeln. In Oberkunreuth hat es früher noch weitere Steinkreuze gegeben. Der Kohlwald, auf deutscher oder tschechischer Seite, ist voller historischer Geheimnisse!

Das Steinkreuz steht in der Nähe einer bedeutenden Altstraße. Der Fernweg kam im späten Mittelalter von Nürnberg und führte über Kemnath und Waldershof durch den Reichsforst und hier durch den Kohlwald, vorbei an der Siedlung Forchheim und weiter über Oberkunreuth (Horní Hraničná) nach Eger (Cheb). Besonders gut sieht man den Straßenverlauf auf tschechischer Seite am Osthang des Výhledy (Oberkunreuthberg) durch tiefe Hohlwege in Richtung Oberkunreuth. Später wählte man die Straße über den Schirndinger Pass. Eine Hohe Straße kam ferner von Regensburg, verlief über Waldsassen und Schirnding ins Vogtland. Sie kreuzte damit nahe der kleinen Siedlung Forchheim bei Pechtnersreuh die vorgenannte Altstraße.

Aus „Entlang der bayerisch-böhmischen Grenze“, Schriftenreihe „Unser Fichtelgebirge“ (7), erhältlich bei Fichtelgebirgsverein e.V. für € 14,50 unter 09232-700755, info@fichtelgebirgsverein.de

Text / Foto: Dietmar Herrmann, Wunsiedel

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