Spuk im Dorf

Eine Hexen- und Teufelsgeschichte in Sechsämter-Mundart

Der heutige Industrieort Schirnding war um die Jahrhundertwende noch ein richtiges Bauerndorf mit ländlichen Sitten und Bräuchen. Da blühte auch noch der Aberglaube und wenn man im Dorf von Hexen hörte, so wußte man nicht recht, was man davon halten sollte. Auch im Umkreis erzählte man sich von mancher Frau, daß sie im Bunde mit dem Teufel stünde, man sagte: „Dej haout ‘n Teifl!“ Daß man allerdings noch am Ende des 19. Jahrhunderts braven biederen Leuten glattwegs einen Teufelspakt andichten konnte, läßt darauf schließen, wie tief die Vorstellung von Hexen und Teufeln im Volke wurzelte. Unsere Geschichte führt nicht etwa bis ins finstere Mittelalter zurück, sondern in den Zeitraum vor ungefähr zwei Menschenaltern. Das urwüchsige breite „Sechsämter-Platt“ eignet sich dafür gut zum Erzählen.

Die alte Lippnschusterin war eine kleine, dickkropfete Frau. Wenn sie nicht so lebendig gewesen wäre, hätte man sie für ein Bildstöcklein aus geschnitztem Buchsbaum halten mögen oder für ein Weiblein aus einem Wetterhäuschen – wie sie so dastand, mit der blauen Leinenschürze auf dem Altweiberbauch, altmodischem Mieder und den runden roten Bäcklein. Der Bildschnitzer hatte wohl Angst, daß der Hals abbrechen könnte, drum hat er ihn so dick gelassen. Und gleich begann sie mit keuchender Fistelstimme zu erzählen:

„Ich woa a gungs Moil, weije ven Bihna däint ho. Nu ja, sura fufzich, sechzig Gaoua moch dees ejtzat scha her sa. Schtoak und krefte woama, haout ma se vedinga kinna. Es woa a alts schupfets Zeich,  ‘n Bihna sa Zeich, wird ejtzat a moistens nu sur sa. Die Leit hom gsagt, gäih Moil, wirst doch niat ze deanan gäjh!, ich ho me awer niat ohalten laoua. Es warn vor mir a scha Däinstbuan dort, awer dej sen all niat lang bliem. Daou war ‘n Hout Fritz sa Frau ve Arzberch druntn gwesn, a van Biwewer van Schacht haout a Bou druntn dejna selln, awe der is scha glei wieder asgrissn. Wejnen de Schandarm wieda ghult haout, ise wieder furt gloffn. Dea haout gsagt, daß er am Buen a schwarza Kraoua sitzn haout säe. Daou homse a dazialt, daß ven Schandarmen (des Haus liegt doch glei neem droa) ven lejchtn helln Toch amal die Lampn zsammghaua haout.

Nuja, ich home awer niat gfircht; wenn me gung is, mechtma alledehand mit. War awer niat lang dort, is scha oaganga. Ja dees woa da a Grumpl und a Gfouawerk ba da Nacht af deam Buan, dama denkt haout, sie fahrn mim Hawong driwa hi, wej wemma Troid (=Getreide) imschaflt. Die eisern Reiff im Schtool (=Stall) sen af und nieda ganga, ‘s Vejch haout brlht und en annern Tooch sen die Wang (=Wägen) im Schtohl (=Stadel) imkejet gleeng und in‘ Kianern (=Ketten) woan Knian (=Knoten) drinna.

Daou woas amaal oanernan Saamsta nachts, daou homa ven Wirt jedesmal zsammgwaschn in de Wirtsschtumm, wenn die Gest furt warn, daou howe mein Hadernschirza vagessn ghatt und sua sagt die alt Kaisere: gäih Moil, du wirst doch ejtzat niat um Mittanacht hoimlaffn, nimm ve uns ‘n Schirza! Ich ho glacht und bin ganga, im die Kirchn ime und hintn zen Huaf eiche (=hinein). Weje ze de Haustiir kumm und afmach, daou schlegt ma ‘s Faia engiang, wej a Bachkihwl (=Backkübel) sua graouß; ich halt me oam Dricka fest, es woa oa Helling vor mir. Naou bine ei, mein Schirza packt, der is oa de Milchgroum ghenkt und devoa.

Sua ähnle is ma nu emal ganga, weje a nachts hoim kumma bin. Ich woiß ejtza nimma, woas zwische alfa und zwelfa oder zwischa zwelfa und oins, daou mejßte ejtza leing (=lügen). Ich kumm hoim und wal di Haustür scha zou woa, knejeme (= knie ich mich) afs Bänkl newan Haus, waouma ‘s Gschiir und die Tepf van Putzn jedesmal higschellt haout und klopf oans Fensta. Daou gäjht es Fensta af und es langt oina assa (=heraus) und gitt me a Schelln. Ich woiß heint nu niat, wars da Bihna oder wer anners.

Dees haout me ja in ganzn Dorf ghäjert, die Alt-Bihnere haout ‘n Teifl. Sie selwa haout blaouß glacht und jedesmal ze Antwort gem, „daou song die Leit, ich ho en Teifl, mei Händ sen da Teifl!“

Arwan (=arbeiten) haout dej Frau kinna! Daou war se scha a paar sechzig Gaoua, haout se nu ihrn Taag (=Brotteig) selwa knehn (=geknetet). Bachn haout se moistns in da Naacht. Naou haout se scha frejh iman Vejara (= um vier Uhr) en Däinstbuanen ‘n Braoutkouchn (=Brotkuchen) oas Bett braacht. Dees woiße nu wej heint, wejma ven altn Stoabruch draßn Koan gschnihn hom (selwichsmal haout ma nu die Sichl ghatt), daou haout se glei zwou Broitn (=Breiten) miteranana gnumma, daß gschwinda ganga is, und mir annern blouß oina. Ja, waou hejt se denn ‘s Gehld her ghatt, daß se ihrn veja Moilern (= ihren vier Mädchen) jedera fuchzeatausend Mark gehm haout kinna und ‘n Kammerwong nu extera, wennera niat d‘ Teifl ‘s Gehld braacht häit ?!

Heintzetooch (=heutzutage) glaam dees die Leit freile nimma und lachn. Awa ich laoumes niat asschtrein, wal es selwa gsea und ghäjat ho. Haout ma ja di Pfafejß (=Pferdefüße) gsea in Troid (=Getreide) und iwerall. Mir haouta nix oahom kinna, wale oa Johanne (= am Johannistag) geborn bin, deastweng howeme a niat gfircht.

Es woa niat blaouß daou in Schirnding af deam Zeich, waouma gsagt haout, es is nit ganz sawer (=sauber) a va Biweschbooch (=Bibersbach) und af d‘ Kieselmlh haoutmes ghäjet.

Ejtzat häjet ma nix meia. Dees hom awa scha die Altn gsagt, daß amal e Zeit kiint in tausend Gaouern, waou die Geister wiedakumma. – Ma vegißts allmähle dees Zeich, ma mächt e gaoua nimma droa denkn, wal ma naou nachts blaouß jedesmal niat schlaoufn koa.“

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