801 Jahre – ein ehemaliges Dorf – ein Turm

erbaut - verteidigt - zerstört - restauriert

Als Fichtelgebirgler kennt man die meisten tschechischen Städte, wenn man mehr oder weniger oft das das Nachbarland besucht. Das betrifft jetzt nicht nur die großen wie Cheb, Františkovy Lázně oder Kynšperk nad Ohří. Auch die kleineren Ortschaften bleiben in Erinnerung wie Skalná, Milíkov oder natürlich Pomezí nad Ohří. Aber wer kennt Pomezná? Vielleicht hat aber jemand schon mal den ehemaligen deutschen Namen Markhausen gehört. Gelegen zwischen den nach 1945 komplett geschleiften Ortschaften Böhmisch-Fischern und Rathsam, stehen in Pomezná wenige Gebäude neueren Datums. Die ursprüngliche Dorfstruktur ist aber nicht mehr erhalten und kann im Gelände nur mehr schwer erahnt werden. Dabei war Markhausen ein sehr alter Siedlungspunkt gewesen. Genau davon zeugt ein einziges und letztes, historisches Baurelikt.

Erwähnt wurde Markhausen in einem Schriftstück des Klosters Waldsassen um 1225 in Verbindung der Einlösung des „Zehnten“, einer vorgeschriebene Ernteabgabe an den Grundherrn. In diesem Dokument wird auch auf den ersten urkundbaren Hohenberger „Berchtoldus de honberg“ Bezug genommen. Zu dieser Zeit hatten die Herren von Hohenberg weitreichende Besitztümer im damaligen Nordgau. Allerdings wurde der geschlossene Besitz Ende des 13. Jahrhunderts zerschlagen. Was nicht an die Nürnberger Burggrafen fiel, teilten die von Hertenberg und Notthafft von Wildstein unter sich auf. In diesem Zuge kam Markhausen möglicherweise als fromme Stiftung der Notthafft an das Kloster Waldsassen, wird aber bald an die von Sparnecks verkauft, die auch die Pfandschaft der Burg Hohenberg inne hatten.

Trotz der vielen, nachfolgenden Besitzerwechsel konnte sich ein funktionierendes kleines Dörfchen an der Eger um die zeitgemäß übliche Turmhügelburg der Administralen aus dem 13. Jahrhundert (vermutlich wegen der Namensgebung -hausen noch viel früher) entwickeln. Bis 1847 entstanden 22 Häuser inklusive der Mühlbetriebe für 122 Einwohner. Nach der Zerstörung der mittelalterliche Burg im Jahre 1462 wurde jedoch nur noch ein Wehrturm zur Verteidigung des Rittergutes errichtet, der sich in den nachfolgenden Jahrhunderten in den Gutshof integrierte.

Ergänzend zum Leitartikel in der letzten Ausgabe sei erwähnt, dass mit der Grenzbereinigung und -steinsetzung von 1562 zwischen Markgrafentum Bayreuth und Reichstadt Eger auch Markhausen endgültig Böhmen zugeschlagen wurde.

Bedřich (Friedrich) Bernau berichtete in seinem „Album der Burgen und Schlösser im Königreich Böhmen“ 1881 von der darin noch vorhandenen Jahreszahl MD, die zu 1675 umgearbeitet worden war. Mehrfach sollte in der Neuzeit dieser sogenannte „Frankenturm“ zweckdienlicheren Funktionsbauten weichen, wurde aber dennoch mit Unterstützung von Kulturgutliebhabern bis 1945 als Speicher für Stroh und Getreide genutzt.

Aufgrund seiner massiven Bauweise überstand der Rumpf des Turmes die Zerstörung des Dorfes Markhausen nach 1945. Stark in Mitleidenschaft gezogen fristete er im Gemeindegebiet Pomezná ein Schattendasein in der üppigen Vegetation des Grenzstreifens. Auch nach der samtenen Revolution von 1989 blieb der mindestens 800jährige Siedlungspunkt an der Eger weitgehend unberührt.

Erst 2015 wurde das Areal vom jetzigen Besitzer aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Stück für Stück wird nun die alte Hofstelle wieder zugänglich gemacht, Fundamente und Keller freigelegt, verschwundene Gebäude auf den alten Fundamenten wiederhergestellt und der Turm auf sein Aussehen Anfang des 20. Jahrhunderts restauriert. So erhält der Platz seinen authentischen Charakter zurück.

Michael Rückl

Bereits zweimal fand in diesem Frühjahr ein Tag der offenen Tür statt, an dem sich die Besucher vom Fortschritt der archäologisch begleitenden Maßnahmen selbst ein Bild machen konnten. Mit der Unterstützung verschiedener tschechischer und europäischer Fördermittel kann durch mühe- aber auch liebevolle Kleinarbeit dieses einzige und letzte, historisches Baurelikt in Pomazná (Markhausen), Gemeinde Libá künftig wieder einen kleinen, wertvollen Einblick in die gemeinsame historische Entwicklung des tschechischen Westens und Nordosten Bayerns, dem ehemaligen Nordgau und späterem Egerland geben.

Im Laufe des Jahres laden sollen noch mehrere Veranstaltungen zum Besuch einladen. Unter anderem soll gemeinsam mit dem Museum Cheb ein „Sommer der Archäologie“ und im Spätsommer eine Aufführung des Westböhmischen Theaters Eger dort stattfinden.

Text: Auszüge aus „Die Familie Notthafft“, Harald Stark / Živé Chebsko, Cheb / Fotos: Archiv

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