Schon der Name beinhaltet die wichtigste Aussage: Brücken-Allianz Bayern-Böhmen. Schon seit Jahrhunderten sind wir Grenzland mit Brückenschlägen zwischen Ost und West. Die gemeinsame kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung über die Grenzen hinweg prägt die Region schon seit über 1000 Jahren und tut es noch immer. In der nördlichsten Ecke des bayerischen Nordgaus bildete die „Regio Egire“ – das spätere Sechsämter-, Stift- und Egerland – eine geschlossene Einheit.
Mit dem Zerfall des Nordgaus im 12. Jahrhundert und dem zurückgehenden Einflusses der Staufer sowie des sich ausweitenden Machtbereiches der Hohenzollern, festigte sich regional schon früh die Grenze zwischen Bayern und Böhmen und das ehemalig egerische Fichtelgebirge wurde Teil des Markgrafentum Bayreuth. Das Reichspfand des Egerlandes wurde aufgrund der sich verändernden politischen Situationen nicht eingelöst und die Reichstadt Eger bildete sich als nahezu eigenständiges Territorium und Machtzentrum im Westen des Königreichs Böhmen aus. Ende des 15. Jahrhunderts entsteht im östlichsten Bereich des Fürstentums Kulmbach-Brandenburg oder auch Bayreuth das Sechsämterland „ob dem Gebirg’“.

Südlich vergrößerte sich ab dem 13. Jahrhundert im späteren Stifland der Einfluss des reichsunmittelbaren Klosters Waldsassen, das sich gegen Nordosten immer klarer gegen Eger hin abgrenzen musste. Mit der Reformation und den Kriegen des ausgehenden Mittelalters schwand die kirchliche Macht und wurde schrittweise von derer der Wittelsbacher abgelöst, was ab dem 15. Jahrhundert die Ausformung der Grenzlinien gegen das Fürstentum Bayreuth-Brandenburg und gegen Eger und das übrige Böhmen zur Folge hatte.
So schrieb der Heimatforscher Dietmar Herrmann: Die Umgebung des Buchbrunnens (im Kohlwald bei Schirnding) kann als Dreiländereck bezeichnet werden, da hier einst drei politisch selbständige Herrschaftsgebiete zusammenkamen. In einem Protokoll aus dem 17. Jahrhundert steht folgendes geschrieben: „Aus dem Buch-Brunnen im Kohlwald entspringet das Buchbachlein, und scheidet solcher Bronnen drey Reynungen, Brandenburg, die Chur Pfaltz gegen Waldsassen und Eger“.

Bereits mehrfach hatten wir im Bürgerboten zu historischen Themen rund um die Grenze berichtet, sei es zu den Preußensteinen, Turmhügeln und Altstraßen oder dem grenzüberschreitenden Kohlwald. Aber sie ist und war fast die meiste Zeit ein Teil unserer Geschichte und Alltags. Glücklicherweise gibt es immer noch viele geschichtsinteressierte und heimatverbundene Menschen. So ist es kürzlich dem Schirndinger Stefan Reul gelungen, das vermutlich älteste regional noch existierende steinerne Relikt einer Grenzregulierung aus der frühen Neuzeit zu lokalisieren und aufzuspüren.

Aus verschiedenen historischen „Gräntz“-Beschreibungen und -Kartierungen geht aus den unzähligen Gebietsstreitigkeiten der damaligen Zeit eine Regulierung hervor, die zwischen dem Markgrafentum Bayreuth und der Reichstadt Eger getroffen wurde. 1562 setzt man auf einer Strecke von ca. 1,5 Kilometern neun sogenannte Rainsteine. Auf dieser Strecke einen gerade circa 24 x 12 cm großen im Boden versunkenen Stein aufzuspüren grenzt schon fast an ein Wunder. Von der ursprünglichen vermutlich zwischen einem und eineinhalb Meter hohen Steinsäule ist das oberste Drittel nach fast unglaublichen 500 Jahren noch erhalten. „Diese Rainstein scheiden die Brandenburgische und Egrische fraisliche Obrigkeit und Wildt Bann“, notierten man dazu auf einer Grenzkarte aus dem Jahr 1602.
Natürlich wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten diese Grenzlinie mehrfach und zuletzt mit der europäischen Neuordnung im Vorfeld des Wiener Vertrages von 1862 bestätigt und gefestigt. Aber sie blieb auch in der jüngeren Vergangenheit mit Ende des Zweiten Weltkrieges und zu Zeiten des Eisernen Vorhangs unverändert. So kann man unter Einbeziehung verschiedenster dokumentierter Fakten und Indizien sagen, dass sich vor unserer Haustüre ein Stück der ältesten Grenzen Mitteleuropas befindet. Etwas großzügiger gedacht, hat sich aber seit dem 16. Jahrhundert die bayerisch-böhmische Grenze kaum und spätestens seit der letzten großen Grenzsteinsetzung von 1844 gar nicht mehr verändert.
Und trotz allem gilt es jenseits alter geografischen Grenzen aktuell immer noch einige mentale, gesellschaftliche und sprachliche Hürden in der grenzübergreifend entwickelten, gemeinsamen Kulturgeschichte zu überwinden, zwischen Bayreuth und Eger, Bayern und Böhmen, Tschechien und Deutschland. So braucht es Brückenbauer wie die Brücken-Allianz Bayern-Böhmen e.V., die nicht nur wie die neun Schirndinger Brücken (siehe Schirndinger Chronik & Heimatbuch) die Verbindung über die Eger (Ohře) sicher stellen, sondern die Verständigung über Grenzen hinweg.








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