Wirtshäuser – ein bayerisches Kulturgut

Das weltliche Gegenüber zur Kirche

Wirtshäuser im ländlichen Raum Bayerns sind kulturelle Institutionen, die auf eine weit ausgreifende Geschichte zurückblicken und vielfach auch heute noch ein sehr prägendes Element im Kontext dörflicher Gemeinden darstellen. Traditionell wurden Wirtshäuser als zentraler weltlicher Versamm- lungsort genutzt, als Orte des Zeitvertreibs, der politischen Meinungsbildung sowie als Umschlagplatz für Informationen und wichtige Neuigkeiten.

Dabei gründet die traditionell große kulturelle Bedeutung der bayerischen Wirtshäuser nicht zuletzt auch in der Tatsache, dass in ihren Räumlichkeiten nach wie vor viele Aktivitäten, insbesondere auch von Vereinen durchgeführt werden.

In der Vergangenheit übernahm das Wirtshaus in Gemeinden ohne Rathaus dessen Funktion. Amtliche Veranstaltungen wie die Gemeinderatssitzung oder auch Bürgerversammlungen wurden im Wirtshaus abgehalten. Im Wirtshaus konnte und kann auch heute noch zwanglos und unverbindlich über private, geschäftliche oder die Gemeinde betreffende Angelegenheiten diskutiert werden.

Das Wirtshaus wird traditionell gern als das „weltliche Gegenüber“ zur Kirche gesehen, wobei dem Wirt häufig eine herausragende gesellschaftliche Stellung zugewiesen wird. Ein Zitat aus dem Jahr 1860 mag als Beleg dafür dienen:

„Der Wirt auf dem Lande ist unbestritten die angesehenste und einflussreichste Person. In allen Beratungen der Gemeinde gibt er den gültigen Ausschlag und entscheidet in hartnäckigen Diskussionen durch Freigebung eines Eimers Bier die schwebenden Fragen in der Regel nach seinen Ansichten, wenn auch zum Nachteil der Gemeinde“.

In Arzberg und in den früheren damals noch selbständigen Ortsteilen gab es bis ins 19. Jahrhundert zurück über 50 Gasthäuser und Kaffee`s. Das ergaben Nachforschungen anlässlich der Erstellung der siebten Auflage des Jahreskalenders des Ortsverbandes der CSU. Es entstanden so manche Erinnerungen an damalige Zeiten, jedoch verwunderte selbst die geschichtlich sehr erfahrenen Zeitzeugenforscher diese stattliche Zahl. 

In Zusammenarbeit mit Ursula und Hans Günter Tröger, Stadtarchiv Peter Weger und Kurt Neuerer konnte eine Vielzahl äußerst interessanter Bilder aus den bekannten „Neuen Arzberger Heften 1 und 3“ sowie im Stadtarchiv und aus Privatbesitz als Zeitzeugen gefunden werden. Das Ergebnis dieser intensiven Recherche ist beachtlich und die nun vorhandenen Dokumente würden ausreichen, um mehrere Kalender zu erstellen.

Mit einer überschaubaren Darstellung und auf die zwölf Kalendermonate zugeschnitten, sollen nun im neuen Kalender auch im Hinblick auf die 750 Jahrfeier die Erinnerungen an die Geschichte der lokalen Gastronomie wieder lebendig werden. Sie dürfen gespannt sein.

Der Kalender ist auf dem Arzberger Weihnachtsmarkt erhältlich. Der Erlös kommt wieder den Arzberger Kindergärten zugute.

Text: Kurt Neuerer, Arzberg – Die Wirtshauskultur in Bayern im Wandel, Hopfinger, Kohnle, Wätzold
 / Fotos: Kurt Neuerer, Arzberg

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